Startseite
    Short Cuts
    einBall22Deppn
    allzupolitisches
    allzumenschliches
    Links
  Über...
  Archiv
  Kurzes
  Lücherbiste
  kranke Wörter
  Gästebuch
  Abonnieren
 



  Freunde
   
    kecambas.emolove

    - mehr Freunde



http://myblog.de/q-d-o

Gratis bloggen bei
myblog.de





21.1.09 01:00


Werbung


Hessenwahlkampf

Da es nun durchgestanden ist, einige Worte zur Hessenwahl, auch wenn mir der Spass an der ganzen Sache gründlich vergangen ist. Über das Ergebnis gibt es nicht viel zu sagen: Die SPD hat ihr Fett also abbekommen, wovon erfreulicherweise nicht "Die Linke" profitiert hat. Koch hat eigi auch nicht gewonnen, darf aber regieren. Das FDP vor Grün liegt ist schade, war aber absehbar. Nun denn, also Schwarz-Gelb, nen Flughafenausbau und laut Koch keine Studiengebühren. Naja der Staat ist ja in "Zeiten wie diesen" angehalten, Geld in Infrastruktur und/oder Bildung zu investieren, man darf gespannt sein, wem die Zuwendungen dann nützen werden.

Wo wir bei "In Zeiten wie diesen" sind: Die CDU warb mit dem Slogan: "In Zeiten wie diesen Kämpfen wir um jeden Arbeitsplatz" Wäre ich Aktivist und nicht Träumer, hätte ich das ganze mit Kleister und Papier in "In Zeiten wie diesen kämpfen wir um jeden Meter Boden." verwandelt. Hätte unserer hessischen Stahlhelm-Union gut zu Gesicht gestanden, denken bestimmt auch die Leute in unserer tief braunschwarzen Jägerzaun-Provinz.

Aber die Union hat eine zentrale Botschaft verstanden: Parteien sind keine guten Werbeträger - auch nicht im Wahlkampf. Darum haben sie Plakate einer Kandidatin mit der Frage: "Kennen sie diese Frau?" aufgehängt, ohne Verweis auf den eigenen Verein. Hier hätte sich aus der Sicht eines Aktivisten "...von unten?" angeboten. Erst auf der zugehörigen Web-Page dann die Aufklärung: Nein, diese Person zieht sich hier nicht für uns aus, sie möchte gewählt werden. kk_thx _ich_bin_dann_mal_wieder_weg. Aber sehr geschickt das ganze. Die SPD hat auch das schlechter gemacht. Ein gewisser Herr Paris warb explizit mit seinem Namen, was zumindest in meinem Falle ein schwieriges Unterfangen ist, da ich bei Paris an eine Stadt oder Verhütung, nicht aber an Bornheimer Lokalpolitker denke. Vielleicht muss man Herrn Paris von der SPD ja kennen, ich bin da allerdings schmerzfrei und auch kein Rundschau -Leser, also druff geschisselt...

Die ebenfalls von der SPD gestellte Frage: "Wirklich wieder Koch?" ist natürlich gewagt, wenn es sich um eine Wahl handelt, die nur erforderlich wurde, weil die Sozen sich auf Teufel komm raus als unfähig erwiesen haben, eine eigene Regierung zu stellen. Insofern zwangsläufig: "Ja!" Das wurde so mit Edding auch auf diese Plakate geschrieben und ich habe nichtmal die JU in Verdacht. Hätte ich auch sein können, schaller... Die Frage legt jedenfalls nur diese eine Antwort nahe." Eigentor?! Never! Doch nicht bei der Hessen-SPD, die verstehen was von ihrem Handwerk...

Die Grünen betrieben ebenfalls einen personaliserten Wahlkampf. Tarek al Wazir ist jetzt auch offiziell beliebtester Schwiegersohn Hessens, wir gratulieren. Ausserdem arbeiten sich die Grünen immernoch an ihr Koch-Phobie ab. Verständlich, aber kann man dem Mann tatsächlich auch Klimawandel und Finanzkrise in die Schuhe schieben? Eben nicht! Als böte er nicht genug Angriffsfläche... als wären das hessische Themen. Wobei Glaubwürdigkeit sicher nicht das Schlagwort war, dem man sich als Partei des linken Spektrums in diesem Wahljahr 09 bedienen sollte. Ach, warn das noch Zeiten, als man dem amtierenden Ministerpräsidenten "Lügner, Lügner!" entgegen brüllen konnte, seufz...

Der einzig tolle Werbespruch der SPD war das "Den Neuen wählen!" Da ist dieses minimale Quentchen Ironie enthalten, dass sehr hilft, die prekäre Lage der Hessen-SPD sportlich zu nehmen. Und tatsächlich wurde TSG am Wahlabend wohlwollend beurteilt. Naja, wahrscheinlich war man sich von Wiesbaden bis ins Willy-Brandt_Haus einig, dass es besser ist, einen hoffnungslosen aber aufrechten Verlierer zu loben, als auch nur ein Sterbenswörtchen über die Wahlsiegerin'08 Ypsilanti zu verlieren.Was für eine Demontage in dieser Personalie... Der erste O-Ton von TSG hatte mir noch die Schamesröte ins Gesicht getrieben, das war der unseelige Witz auf Kosten von Kochs Äußeren. Habe mich an diesem Ort bereits darüber ausgellassen. Am Abend der Wahl formulierte er erfrischend klar und knapp das Eingeständnis der Niederlage. Naja, da gab's halt auch nix zu deuteln. Und nun ab ins Hinterstübchen und den Laden von der Kreisebene aufwärts wieder auf die Beine bringen - viel Spass dabei.

Der Wahlkampf der FDP ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Ich erinnere mich an keinen einzigen Slogan, bin mir aber sicher, dass sie "Steuersenkung für alle!"* gefordert haben. Wovor mir graut, ist Westerwelle im Größenwahn. Neulich haben ihm seine Parteikollegen bereits attestiert, da habe sich einer als Außenminister empfohlen. Äh what...? Westerwelle weiß nichtmal, wer den Krieg gewonnen hat, hat den Charme eines Bankkaufmannes auf Pepp und ist mit seiner allzeit zur Schau gestellten Selbstüberschätzung genau der Falsche für das nach Besonnenheit und Solidität verlangende Amt eines Außenministers. Der soll Steuern senken und die Kampagne 28+ ausrufen, reicht völlig...  

Fazit der Hessenwahl09 bleibt dasselbe wie vorher: Das Ausmaß und die Art und Weise der Selbstzerstörung seitens der SPD ist so atemberaubend wie unverständlich. Seit wann bringt sich eine Partei um eine gewonne Wahl - um eine greifbare Regierung? Um exorbitante Rentenansprüche für alle, um Dienstwagen, Spesenrechnungen, Lobbyisten-Dinner und rasierte Thai-Fötzchen auf Kosten von VW? (hier dürfte das Fraport erledigen.) Und wieso ist es wieder eine Frau, der die eigene Mannschaft den Saft abdreht? Naja, jetzt können Ypsilanti und Heide Simonis gemeinsam nen Tanzkurs buchen, dann klappts beim nächsten mal vielleicht auch mit den Kollegen aus der Fraktion...

so far, q.

 

 *mit einem Jahreseinkommen von + 80.000€/ano

20.1.09 23:38


Dieser Sonntag

Es gibt nichts schöneres als einen verregneten Katersonntag! Dies ist so einer, wir haben es halb zwölf und sitze mit diesem permanent schwacen Kreislauf und dezentem Kopfschmerz hier am Rechner. Wach bin ich ca. eine Stunde. Begonnen habe ich den Tag mit Kaffee aufsetzen, Fenster aufreissen und einleitendem Scheißhausbesuch. Unser Scheißhaus wurde bereits vorgestellt, das Fenster ist eigi immer gekippt. Dort hockte ich schlaftrunken und höre und rieche den Regen. Er kommt wie bestellt und in dieser Region kann ein altes Nordlicht wie ich dem bisschen Regen nicht überdrüssig werden. Ein freier Sonntag nach ziemlich hektischen Tagen und Regen als Abschluß eines Winters, der immerhin mal stattgefunden hat. Das ist sogar besser (weil seltener xD) als Regen. Wir haben jetzt wieder plus-Temperaturen und der Regen wird kurzen Prozess mit dem Schnee und Eis machen. Gerade gestern habe ich einen vereisten Springbrunnen gesehen, eine zufällige Eisskulptur unter der Fontäne - sehr schön. Es wird ein wenig Frühling einziehen, das ist ein schönes Bild, sehr passend, denn heute ist des weiteren der letzte Tag meines wow-accounts. Dieser Frühling fegt also den Lich King aus meinem Alltag, welch ein schönes Bild. ;-) Ich erinnere mich an das erste Auslaufen meines Accounts, das war das, was man einen kalten Entzug nennt. Ich habe nach 0.00 so lange es geht nicht ausgeloggt und dann mit einem mulmigen Gefühl überprüft, dass der Login nicht mehr funktioniert. Alles mit dieser irrationalen Hoffnung, das der Acc aus iwelchen Gründen noch läuft, gleichzeitig aber mich versichernd: Ich will das so. Ja, so ist dass, wenn man mit einem MMO aufhört. Zocker kennen das. Diesmal ist es ein wenig anders. Trotzdem habe ich diesen Kater-Sonntag klassisch eröffnet mit Kaffe, einem kleinen Dübel und dem obligatorischen LogIn. So beginnen diese "Wasted  Days". Dieser hier wird bewußt gewasted, dieser 18.Januar gehört mir. Dieser Tag ist schließlich auch politisch ein "Wasted Day", Hessen wählt mal wieder und ich ärgere mich eigentlich jetzt schon, dass ich wählen werde, weil die ganzen Honcks das nicht verdienen. Ich bin insbesondere der provinziellen Phrasendrescherei dermaßen überdrüssig, dass ich kotzen könnte. Ich wähle, weil es komisch ist, über Politik zu meckern und dann nichtmal zu wählen. Wählen ist das Minimum politischer Aktivität, weniger geht nicht.. mehr schon. Was für Sonntag! Fassen wir zusammen: Wahl, WoW läuft aus, Kater nach schöner Feierlichkeit und nach 4 Tagen Messe endlich ausschlafen, insbesondere nach vorgestern Nacht. Vorgestern war ein unfassbarer Tag.

Und Messe ist irgendwie ein Verschleiß-Job. Ich sitze mit riesigen Heißluftgebläsen im Rücken in einer eigentlich zugigen Vorhalle. Nach zwei Tagen sind meine Lippen so wund das sich dieser weiße, härte Schorf bildet, die Haut wird rissig und iwie ölig, es wachsen dann fette Pestbeulen auf der Stirn und nach zwei von drei Messen war ich krank. Viren aus 5 Erdteilen, sie leben hoch! Da ich nicht früher schlafen gehe, aber aufstehen muss, kommt es zu noch mehr Schlafdefizit und dann ist da noch die obligatorische Schnittwunde an der linken Mittelfingerkuppe. Ich habe sie jedes mal, sie ist betriebsbedingt und entspricht den Wunden am Rand des Nagels, die durch Pulen und Friemeln verursacht werden. Es sind diese nervigen Risse, die nicht aufhören zu stechen. Sie entstehen, wenn man das Papiergeld ablegt. So wie ich das mache, trifft diese Stelle (die vorderste der drei Finger, die die Scheine halten) auf die in der Kasse liegenden Geldbündel und die Kanten der Geldscheine schlagen über Zeit die Wunde in die Fingerkuppe, immer wenn ein Schein die Kerbe trifft, bekommt man diesen Extra-Stich. Es nervt, auf diese Art ist die Messe verschleiß. "Brauchbarer Verschleiß", aber Verschleiß. Es ist nicht förderlich, sich über die in einer Messehalle kursierenden Viren Gedanken zu machen. Und Geld ist tatsächlich schmutzig und es stinkt tatsächlich! Geldscheine en masse riechen richtig müllig und wer mal viel Silbergeld in den Händen hat, kennt es auch. Völlig zu recht sind die Messetoiletten mit desinfektions-spendern versehen. Ich nutze sie vor und nach dem Pissen und einfach so zwischendurch:-)

Am Freitag hatte ich dann mittags frei, war dann in Bockenheim, Krempel erlediegen und wollte dann zuhause kurz saugen und dann etwas Pennen, bevor die abendlichen Chill-Session in unserem Wohnzimmer losgehen würde. Das Anschalten des Staubsauger folgerte einen komplett-Stromausfall in meinem Zimmer. Bäm, alles Weg. An solchen Tagen habe ich ein dünnes Nervenkostüm. Da man den Kassiererjob am besten mit der stoischen Gelassenheit einer Hindu-Kuh erträgt, steigt das Aggressionspotential nach Feierabend in unermessliche Höhen, schaller... Und so stehe ich da mit meinem schwulen Staubsauger in einem dunklen Zimmer und kann es einfach nicht fassen. Analyse: Partieller Stromausfall: Mein Zimmer ganz tot, Wohnzimmer Licht und eine Steckdose tot, Spangis Deckenlicht auch tot, Rest intakt. Elektriker bekreuzigen sich bitte jetzt. Die Sicherungen brachten keine Besserung, mein Vorgänger kannte auch keinen entscheidenden Trick (derer es in einem Altbnau ja viele gibt) und die Nummer des Elektoinstalateurs, die im Sicherungskasten stand, war nicht mehr vergeben. Also, last Chance: Vermieter anrufen. Und damit war die Lunte entzündet an der Bombe, die diesen abend noch hochgehen sollte. Ich hatte Sie am Telefon, und es wurde vereinbart, dass ihr Mann sich abends als Hilfshausmeister versuchen würde. Ich hatte eh noch weitere auswärtige Pläne und keinen Bock, jetzt bis 8.00 zu warten und habe flugs den armen Spangi dazu verdonnert, die Fehlersuche zu beausichtigen, während ich in letzter Instanz auf einer ruhigen, gemütlichen, anderen Couch landete, einer Sache also, die es so daheim heute nicht mehr geben würde, soviel stand fest. Ich muss zugeben, dass auch Trotz mit rein spielte. Diese Wohnungs-Suppe wollte ich nicht alleine auflöffeln. Und mir schwante, dass da großes Bevorstand. Und da wußte ich noch nicht, dass Spangi in Begleitung von Grasi und Jarno anrücken würde. Leider kennen nur wenige Leser die beteiligten Akteure, geschweige denn beide Seiten, aber das Aufeinandertreffen unseres Schwiegersohns der Hausbesitzerin mit Tourett-Grasmuck, Jarno the Hausmeister und MC Spangenberg ist von epischem Ausmaß! Da wäre ich dann doch gerne dabei gewesen und als mir Spangi (immer noch sich fragen, wieso ich nicht da sei, hier die Antwort: weil ich keinen Bock hatte...^^) das ganze am Telefon andeutete waren wir beide von Lachkrämpfen geschüttelt. Es ist wie Helge_Schneider4real vs Monthy Pythoon, es muss unfassbar gewesen sein! Der Punkt: Die Vermieter verdrängen permanent den Zustand dieser Wohnung. Die Elektronik ist und war schon immer abenteuerlich, tatsächlich haarsträubend. Der Rest der Wohnung nach unseren Maßstäben nur verschroben, improvisiert, etwas chaotisch und dabei bumsgemütlich. Aus der sehr biederen Sicht unseres Schwiegersohns allerdings ist sie unmittelbarer Vorhof der Hölle. Verschiedene Aspekte wurden als "völlig untragbar", "katstrophal" ect.pp. bezeichnet. Man muss sich jetzt eine zwergenhafte Figur bar jeden elektronischen Sachverstandes vorstellen, in jeder Hand ein Messgerät und wahrlos an Buchsen und Kabelenden rüttelnd, fummelnd und messend. Er über die Deckenfluter im Flur: "Ja, da gehen ja auch nur 2 von 5. Unfassbar..." (Äh, wen interessiersts? Zwei reichen völlig?) Hebt die Arme um gegen die Decke zu klopfen, kommt aber nicht ran. (Ich könnte sie mit dem Ellenbogen erreichen.) Jarno haut einmal gegen die Decke und sofort leuchten 4von5 Lampen... (Ich kann es mir GENAU vorstellen, ich wüßte zu gern den WORTLAUT) Aaaaarrrfhhh!!! So ging das über ne halbe Stunde, es muss realer Slapstick gewesen sein, es muss unfassbar gewesen sein. Ich bin dann nach langer Heimfahrt durch die letzte Winternacht der Saison gegen 10Uhr angekommen und wir haben uns bis halbeins an Gräsis Schauspieleinlagen ergötzt: Er mimte den Schwiegerzwerg und den cholerischen Qdolf. Ich habe tatsächlich geschäumt über die ganze Situation und den zu erwartenden Streß und überhaupt, war aber eigi nicht böse, es war zu absurd, zu wild und ich war zu kaputt für weiteren Widerstand. Um 1.00 habe ich mich verkrümelt, kurze Zeit später kehrte auch Ruhe im Vorzimmer ein und ich werden so gegen 2.00 geschlafen haben. Um 4.xy wache ich von heftigen Schlägen auf, irgendwas bei uns im Haus. Ich stehe auf, wanke durchs Wohnzimmer, wo Jarno vom Sofa aus irgendwas nuschelt, in den Flur, zur Wohnungstür, ich sehe Licht im Treppenhaus, trete vor die Tür und sehe ein Stockwerk unter uns: Zwei Bullen, zwei Rettungssannis, einen Schloßer und weiteres Personal. Ich frage den Polizisten was denn los sei, er antwortet gewohnt uninformativ: "Wir Öffnen die Tür." Ich verkneife mir ein: "Das sehe ich auch.." und beschließe, die Sache nicht zu verfolgen und gehe wieder Pennen. Mit diesem ätzenden Gefühl: Du pennst keine drei Stunden und stehst in 2 Stunden wieder auf und das nach diesem Tag. Der Samstag war dann reines Durchhalten, gekrönt durch Martin'sches Geburtstags-Party, die ich unter keinen Umständen auslassen wollte. Erstmal Messe, anstrengend trotz weniger Kunden. Mit der NAcht im Rücken kaum erträglich, ich hatte bezeichnende 20€ minus in der Kasse, was eigenltich anhand meines selbstauferlegten Standars inakzeotabel wäre. Aber nicht an diesem Tag. Es plätschert so weiter, was bedeutet, dass man nie Ruhe hat, nervig. Dann Heim, Telefonate in Sachen Stromausfall und dann meine Begehung der Wohnung mit derm Schwiegerzwerg, die wie alles, was ich mit ihm bisher erlebt habe, kömidiante Züge trug. Diesmal nahm er eine Tischlampe und checkte jede Steckdose der Wohnung einmal, während alle Sicherungen aus waren und einmal während alle Sicherungen an waren. Die Trefferquote meiner Prognosen in dieser Sache lag bei dezenten 100%, ich war wieder der Hindu-Q. vom Vormittag. Ich wollte das alles nicht glauben. Dazu anstrengende Gespräche über die nächsten Maßnahmen und damit verbunden Kosten. Ich sehe dem gelassen entgegen und gratuliere mir zu dem Passus im Mietvertrag, der besagt, dass beiden Parteien der Zustand der Wohnung bei Übernahme bekannt ist. Es ist lustig, dass es Hausverwaltungen gibt, die sowas unterschreiben, ohne die Wohnung anzuschauen. Zumal es einen weiteren Passus gibt, der besagt, dass bei Auszug nicht renoviert wird. Die Wohnung ist so billig, weil die Hausverwaltung seit Jahren kein Cent in sie rein steckt. Das ist der Deal, wir stellen keine Ansprüche und haben eine niedrige Miete - ausser Strom im Zimmer... Die Leitungen müssen fast schon Jarhzehnte in diesem anarchichen Zustand sein. Und Leitungen sind sowas von Vermietersache, das geht schon garnicht. Insofern nehme ich den Schwiegerzwerg einfach nicht ernst mit seiner Ansage, klären zu wollen, wer diese Kosten zu tragen hat. Wie bitter es für diesen Mann sein muss, dass man ihn einfach nicht ernst nimmt! Als Vermieter! Es ist fast tragisch. Die Art wie er permanent auf die Schwiegermutter verweist ist fast zwanghaft. Sein Wort gilt tatsächlich nicht, ich glaube, die Rolle als Verteter vor uns, den Mietern, war von ihm als ein Feld angelegt, wo er mal Autorität haben könnte. Aber das funktioniert nicht. Ich glaube auch, dass er mich nicht mag, weil ich groß bin. Er mag Menschen, die groß sind, generell nicht so gerne. Er ist dabei weder unfreundlich noch bösartig, keinesfalls ein übler Kerl, aber  hoffnungslos spießig, quasi ahnungslos und vorallem völlig belanglos, weil er zu 150% unter der Fuchtel seiner Frau steht. Es ist eines dieser unglaublihen Paare: Sie groß und rund und dick und laut und grell und Er klein, leise, unbehändig etwas maulwurfhaftes an sich, ihr in allen belangen unterlegen. Man hört Sie manchmal, wenn sie Kinder, Mann oder wen anderes falltet. Es ist köstlich, es ist sehr laut und grell, es hat was von Gutemine bei Asterix & Obelix. Ich würde gern wissen, wie konkret diese Kinder auf den Weg gebracht wurden, der T´Zeugungsakt muss urkomisch ausgesehen haben. Wie reich das Leben doch ist, wenn man Fantasie hat :-)

Das Ende meines Märtyriums war erreicht, als der Schwiegerzwerg die Wohnung verließ. Dann kam ein wenig Regeneration, ich habe kurz und nett mit JayBee gekocht, dann mit Merlin den Vorabend verchillt um dann vom kleinen Ochs eingesammelt zu werden. Ich hätte gedacht, dass ich die Party um 0.00 aus Müdigkeit wieder verlassen würde, war mir ganz sicher, dass Tanzhaus flach fallen würde und bin dann doch erst nach fünf Richtung Heimat geeiert. ALs ich dann aufwachte hat es geregnet, und der Lichkönig schnürrt sein Bündel und ich habe an diesem Tag zum ersten Mal ein 2000:0 in "FdS" hinnehmen müssen. Das ist das beschämend schlechteste Ergebnis, das man in diesem BG einfahren kann. Es passte ins Bild. Danach habe ich ausgeloggt und euch diesen kleinen Laberflash kredenzt. Ich habe mir vorgenommen, es einfach fliesen zu lassen. Das hier ist ungeordnet und wohl schwer zu lesen, weil zusammenhangslos und unstrukturiert. Aber es ist schön, es macht mir Spass, es ist eine kleine Spielwiese. Es ist jetzt halb zwei, der Regen hat aufgehört, ich brauche mehr Kaffee. Der Weg bleibt das Ziel und es wird wärmer...

18.1.09 14:11


Naheliegendes

Das Naheliegende liegt solange nahe, bis etwas anderes näher liegt.
5.1.09 17:53


Gegendarstellung


Das, ihr Lieben, ist die Wesermündung nördlich von Bremerhaven an einem Dezemberabend. Hinterm Deich steht der "Ochsenturm", Überbleibsel einer kleinen Kapelle, die rund 860 a.D. erste Erwähnung als Landmarke fand. Der klassisch norddeutsche Klinkerbau wurde einige Jahrhunderte später gebaut. Dort befindet sich ein kleiner Seemanns-Friedhof, manche Familien werden dort seit Jahrhunderten ihre Toten begraben haben. Es ist ein stiller, verwunschener Ort, die Luft ist klar, der Himmel weit, es riecht nach Wasser und Salz, kein schönerer Ort auf Erden...

 

28.12.08 20:26


Päärchen auf Sieben

Versprochen habe ich es, hiermit wird es umgsetzt:

"Liebes Tagebuch, gestern habe ich dem Meisenmann nen Pot von rund 5000 Credits mit nem stupiden Siebener-Paar abgeluchst. In unserer Kleinverdiener-Runde waren das kapitale 5 €, die ich in einem Anflug von Harakiri auf einen Flush mit Lücke gesetzt habe. Mutig, hoffnungslos und damit ziemlich dumm... danach wurde gecalled und gecheckt bis nix mehr ging...

Soweit für's Protokoll. Des weiteren sieht sich der geneigte Leser mit einer so umfassenden wie fadenscheinigen Weihnachtsgeschichte konfrontiert, Gegendarstellung ist in Arbeit, Kommentare sind ausdrücklich erbeten.

Soweit die Träume...

26.12.08 16:23


Weihnachten in der Diaspora

Es ist wieder Winter geworden. Wie jedes Jahr führt mein Weg mich zurück in den Norden, zurück zu den Wurzeln, zurück an die Plätze meiner Jugend, an denen wir jedes Weihnachten für ein paar Tage die alte Zeit wieder hochleben lassen. Geflissentlich ignorierend, dass jeder auf seine Art aus dieser unseeligen Vorstadt flüchtete, weil jedem klar geworden war, dass es hier keine Wege mehr zu beschreiten gab. Hier, im Bremer Norden, regiert das Morbide. Es ist ein klassischer Ort des Verfalls. Mit dem Fischfang und den Werften kamen die Arbeiter, brachten dieses beschauliche Fischerdorf auf knappe 100.000 Einwohner. Seit die Fische von Maschinen in Bremerhaven verarbeitet und die Schiffe in Fernost gebaut werden, befindet sich die Vorstadt im Niedergang – stetig, unabwendbar. Als zuletzt der riesige Bockkran der Vulkan-AG demontiert wurde, um zukünftig Maschinen und andere Schwerlast in die Bäuche französischer Kriegsschiffe zu wuchten, verlor Vegesack sein letztes industrielles Wahrzeichen. Schon vorher hatte das einzige Kino geschlossen und die immer neuen Infrastrukturmaßnahmen, die aus unserer kleinen Vorstadt ein Ressort der Nah-Erholung machen sollten, verliefen eine nach der anderen im Sand. Immerhin, die Promenade an der Weser ist wirklich hübsch geworden.

Jedes Weihnachten setzte ich mich dann in das Auto meiner Mutter und fahre eine Weile durch die Straßen dieser Stadt. Bemerke einen neuen Supermarkt hier und eine alte Baulücke dort. Sehe mich, mit den alten Jungs vor vielleicht 15 Jahren, an genau dieser oder jener Bushaltestelle Küstennebel exsen und mit Wodka-Marakuja nach spülen. Typische Erinnerung einer fast schon dörflichen Jugend. Ich sitze also in einem kleinen, roten Ford und weiß, dass es zwei Autogenerationen lang Renaults-Clios waren, in denen ich anfangs chauffiert wurde, um später selbst hinterm Steuer zu sitzen. Die Verfügbarkeit eines fahrbaren Untersatzes ist hier nicht hoch genug einzuschätzen: Es ist der Türöffner für das große Abenteuer Innenstadt, es ist die Ansage, dass gute 4Stunden gen Westen Gras in allen Formen und allen Mengen verfügbar ist, es ist die Möglichkeit gewesen, mit einem Mädchen, dass man mag, raus auf das platte Land zu fahren, um auf einem verwunschenen Feldweg einen kleinen Dübel zu rauchen und den Sternenhimmel beim Leuchten zu betrachten. Es gab, diese Ergänzung gönne ich mir noch, einen Freitag-Nachmittag, an dem wir, zu viert, stundenlang auch noch den schäbigsten, verkommensten Dealer abgeklappert hatten, in der Hoffnung auf ein paar Joints an diesem Freitagabend. Heute erschauere ich bei dieser Erinnerung, erschauere über unsere Fixiertheit auf den freitagabendlichen Dübel. Und dann kam dieser Vorschlag: „Verdammt, dann fahren wir halt nach Groningen...“ Der Fahrer merkte an, dass er über die ADAC-Card seiner Mutter auf jeden Fall würde tanken können. Er wurde in die Pflicht genommen, sich halbwegs nüchtern zu halten und schon steuerten wir die Autobahn Richtung Emden an. Unterm Strich haben wir also fast drei Stunden in Nord versucht, was zu rauchen zu organisieren um dann weitere 4 Stunden nach Holland zu knattern, um dort im ersten Coffeeshop jeweils einen fertig gerollten Joint und einen Zwanziger Gras für Daheim zu kaufen. Den Joint haben wir bei einem Glas Cola sofort geraucht, übermütig die umfangreiche Karte des Ladens musternd. Um uns herum Holländer, die Idioten wie uns auf keinen Fall leiden konnten. Natürlich nicht, halbstarke Drogentouristen aus Deutschland sind ein beschissenes Publikum. Wir also gegen 1Uhr Nachts zurück ins Auto und ab nach Deutschland. Natürlich hatten wir darauf geachtet, nicht die in Niedersachsen gültige Obergrenze für Eigenedarf an leichten Betäubungsmitteln zu überschreiten. Der Anteil des Fahrers wurde auf die 4 anderen Teilnehmer umgelegt, alles in komplett fadenscheinigen, um nicht zu sagen lächerlichen Verstecken deponiert und die Rückreise angetreten. Eine solche Rückfahrt war niemals langweilig, sie war im Gegenteil nervenaufreibend. Wagen, die uns zu lange folgten, erregten Unmut. Blaulichter waren geneigt, die ganze Autobesatzung in Angst und Schrecken zu versetzen. Ich glaube nicht, dass wie auch nur eine Pause gemacht haben. Wie gesagt: Im Nachhinein erschüttert mich die Hingabe, mit der wir uns damals auf die Jagd nach einem noch so kleinen Brocken Piece, einer noch so kleinen Blüte Weed gemacht haben. Das Konzept „Suchtverhalten“ passte nicht in unser Selbstverständnis als wilde Freaks, die in jedem Fall cooler waren, als die ganzen Deppen um uns herum. Genau das also, was die Jugend aus Mitte über uns, die Jugend aus Nord dachte... Das Weed-Problem war eine Geschichte aus Langeweile. Es gab partout nichts zu unternehmen, was uns nicht noch langweiliger erschien, als was zu rauchen zu organisieren. Kiffen war eine ganze Zeit der Kit einer großen, recht inkonsistenten Clique. Es gab kleine Kerne, Leute, die seit der Grundschule dieselben Klassen besucht hatten und zwischen die kein Blatt Papier passte, es in in nicht wenigen Fällen immer noch nicht tut, all den Jahren und Kilometern zum Trotz die mittlerweile zwischen uns liegen. Ein solcher Kern plus eins waren wir: Jan, Axel und ich hatten als Grundschüler Detektiv gespielt und mit Ketchup Blutspuren in den Schnee gelegt. Waren dann die zwei Jahre der Orientierungsstufe in Parallelklassen, um uns ab der 7. Klasse im Gymnasium wieder zu treffen und dort bis zum Abitur jeden erdenklichen Bullshit zusammen zu unternehmen. Erik war erst in der 5ten zu uns gestoßen und sollte uns, was wir da noch nicht wussten, auch wieder verlassen, regelrecht in der Versenkung verschwinden. Wir vier waren ein eingeschworenes Team in unserem kleinen Kosmos, das insbesondere in Fragen der Rauchwarenbeschaffung eigentlich immer gemeinsame Sache machte.

Schließlich kam der Zivildienst, eine damals seelige Zeit. Wir hatten unsere Führerscheinprüfungen bestanden, verdienten unsere paarhundert Mark als Zivis, hatten kaum Ausgaben und ansonsten wenig zu tun und garnichts zu denken. Es war das Ende der Dürrezeit. Zu Monatsanfang überboten wir uns gegenseitig beim Anlegen eines 4Wochen Vorrats an Rauchwerk, das wir in immer kürzeren Abständen wegpafften. Und selbst das Organisieren hatte sich gänzlich entspannt, was eine besondere Ursache hatte. Diese Ursache trug den Namen „Bulldog“ und war ein Kellerkneipe in der Innenstadt. Jeder Freund holländischer Exportschlager wird bei dem Namen „Bulldog“ hellhörig, ist es im Land der Tulpen und Windmühlen doch eine große Coffee-Shop-Kette. Der Name war keineswegs zufällig gewählt. Von einem Tag auf den anderen hatten wir also eine zuverlässige Quelle, denn Bremen hatte einen (natürlich illegalen) Coffee-Shop. Es war nicht erste Wahl, schon deshalb nicht, weil dort ausschließlich dieses schwere, öllige Haschisch verkauft wurde, der gute alte „Schwarze Afghane“. Die Häfen und die Nähe zu Holland hatten uns wählerisch werden lassen, wir rauchten eigentlich ausschließlich Holland-Gras. Hasch war als „Bobel“ verschrieen und regionale Produkte tauften wir „Deutsche Hecke“ und all das war eigentlich unter unserem Niveau. Aber wenn in Nord mal wieder ein Engpass herrschte, war es nur eine Frage des fahrbaren Untersatzes, um diesen Engpass zu überbrücken.

Es muss Ende 1998 gewesen sein, als mal wieder Bedarf an einer Expedition gen Bulldog fällig wurde. An diesem Abend hatte ich das Auto meiner Eltern ergattern können, es war also alles auf einem guten Weg. Abends fährt man eine knappe halbe Stunde auf der B74 um aus unserem provinziellen Bremen-Nord in die City zu kommen. Ich erinnere mich, dass wir in einer höllisch enge Parklücke in einer Sackgasse ohne Wendemöglichkeit parkten. Ich achtete penibel darauf, aber auch garnichts zu touchieren und schließlich stand unser Wagen ordentlich in der Reihe der anderen parkender PKW's. Überhaupt, wir lebten ja unser kleines Paralleluniversum, unsere Eltern wussten unsere Hingabe zu dem grünen Kraut gekonnt zu verdrängen, oder jedenfalls nicht auf die familiäre Agenda zu setzten. Hin und wieder erwischte es einen von uns und der Vater fand das Grasdöschen im Nachttisch oder komische Zigarettenfilter in der Hecke. Dann wurde in der Regel angedroht, man werde dem Betroffenen helfen, indem man ihm zukünftig den Umgang mit diesen schlechten Leuten, die das eigene Kind zum Kiffen verführt hatten, zu unterbinden. Die Spitzen dieser Strafaktionen waren eine komplett verscheuerte CD-Sammlung und zwei Wochen Hausarrest. (Die CD-Sammlung hatten Freunde über einen Strohmann gekauft und damit deren Verlust verhindert.) Ein anderer Kerl aus der Peripherie dieser Clique war mit einem tatsächlich schrecklichen, furchteinflössenden Vater gestraft. Einer dieser Leute, die einen Tag zu früh aus dem Urlaub kommen und dann einen ganzen Videoabend umgehend vor die Tür setzen und dem Sohn eine Gardinenpredigt allererste Güte kredenzen, obwohl wir weder gesoffen noch gekifft hatten an diesem letzten Abend in einer sturmfreien Bude, von der jedem klar war, dass sie morgen in 150prozentigen Zustand zu seien habe. Dieser Vater fand eines Tages die Blubb des Sohnes. Es war ein schöner, mittelgroßer Bong aus Acrylglas, gut zu rauchen und mit dem obligatorischen Hanfblatt auf dem Schafft. In einem Anflug von wahrem Sadismus zerrte der Vater den Sohn sammt Bong in den Garten zum Hauklotz und lies den Jungen eigenhändig das gute Stück mit einem Beil zerschmettern, soweit die Pädagogik des 20 Jahrhunderts. Jedenfalls, um zurück zum Thema zu kommen, wir waren peinlich darauf bedacht, keine Spuren irgendeiner Art zu hinterlassen und hatten dieses kleine Katz-und-Maus-Spiel bis ins kleinste Detail perfektioniert. Als Fahrer eines gewissermaßen „Drogenkuriers“ oblag mir an diesem Abend ein besonderes Risiko, darum auch das übervorsichtige Einparken. Ein Brief der Polizei auf dem Frühstückstisch meiner Eltern war zweifellos der Worst-Case meiner damaligen kleinen Welt. Ich war in diesen Jahren ein wenig neidisch auf Altersgenossen, die einen unverkrampften Umgang mit ihren Eltern hatten, was dieses Thema betraf. In meinem Falle hatten sich dies als nicht-realisierbar erwiesen. Als das Thema auf den Tisch kam, war ich fällig mit der „Wir wechseln deinen Freundeskreis“-Ansage, die ich selbstredend noch am gleichen Abend bei einem ordentlichen Joint mit meinen Jungs erörterte. Das Thema kam nie wieder auf den Tisch, es wurde konsequent totgeschwiegen, was mir mehr oder weniger egal war. Ich spare hier die Details aus, aber in meinem Fall war der „Kiff-Incident“ ein Ereignis von erheblicher Reichweite. Ich war, nur meiner Mutter gegenüber, ehrlich gewesen und hatte ihr in einem ruhigen Moment eröffnet, dass ich kiffe. Sie hatte des gefasst und mit mütterlichen Warnung garniert zur Kenntnis genommen. Ich hatte keine Begeisterung erwartet, war aber glücklich, es gesagt zu haben. Die Tragik begann, als mich mein Vater eines Tages fragte, warum ich am vorherigen Abend so komisch abwesend gewesen sei. Ich antwortete mit dem stotternden Herzen, das man hat, wenn man ahnt, dass gleich etwas schreckliches passieren wird: „ Ich hab halt einen gekifft.“ Dann brach die Hölle los und ich kann mich nicht erinnern, jemals wieder so heftig mit meinem Vater gestritten zu haben. Der Streit endete, als ich, sprichwörtlich in die Ecke getrieben, meinen Vater fragte, warum er hier so einen Aufstand mache, wo meiner Mutter doch seit einem halben Jahr bekannt war, das ich kiffe. Mein Vater machte auf dem Abstatz kehrt, lief zu meiner Mutter in den Garten, debattierte eine halbe Stunde mit ihr und danach wurde in unserer Familie kein Wort mehr über dieses Thema verloren. Es war ein einschneidendes Ereignis. Es war der Tag, an dem ich mich vom Konzept der Aufrichtigkeit gegenüber meinen Eltern verabschiedete. Damals manifestierte sich ein Paralleluniversum, ich war ihnen gefühlt keine Rechenschaft mehr schuldig. Ich war also in doppelter Hinsicht darauf erpicht, dass die Tour gen Bulldog an diesem Abend kein Nachspiel in irgendeiner Art haben würde. Bereits das Foto eines Blitzers auf der Strecke Bremen – Bremen-Vegesack hätte mich in Erlärungsnöte gebracht. Wie bereits bei der Freitagabend-Tour gen Holland, war auch dieser Abend einer unter erhöhtem Adrenalin-Pegel und ich war derjenige von uns, der es am eiligsten hatte, den Wagen wieder abzuliefern und sich in die Dachgeschoßwohnung von Axel zu verkrümeln, der als damals einziger über einen separaten Eingang mit Klingel verfügte und der bis auf seltene Besuche seiner Eltern dort oben frei residierte, bereits eine eigene Wohnung im Haus seiner Eltern hatte. Mehr Luxus ging damals nicht!

Wir hatten also den Wagen geparkt und liefen durch eine Seitenstraße, in der sich die Hinterhöfe verschiedener Kneipen, Geschäfte und Restaurant aneinanderreihten. Alle Läden bis auf das Bulldog zeigten dieser Straße ihre Müllcontainer, Klimaanlagen, Dunstabzugshauben und Lieferanteneingänge. Hier wurde weniger flaniert als vielmehr geparkt, um dann an der Vorderseite zu flanieren. Und hier hing, recht weit am Ende der Straße über einem Kellereingang, das kreisrunde, grüne Schild mit der gräulichen Bulldoge. Ich erinnere mich gut an diesen Laden, es war ein aufregender Ort. Eigentlich eine gewöhnliche, düstere Kellerkneipe mit einem Tresen und einem Dutzend Tische, jeder mit hölzernern Stellwänden vom Nachbartisch getrennt. Die Tische waren noch düsterer und verwunschener als der Laden ohnehin schon war. Auf einer Fensterbank lagen Bildbbände, die meisten hatten Bezug zu Marihuana. Es gab einen wunderschönen Band, in dem in verschiedenen Regionen der Welt der Weg vom Samen bis zum Joint dokumentiert wurde. Ich erinnere mich an das Bild eines klassischen Klohäuschens mitten im marrokanischen Nirgendwo. Quadratischer Grundriss, 1x1 Meter, die Holzwände rund zwei Meter hoch. Die Tür nahm die gesamte Fläche der Vorderwand ein und stand offen. Das Häuschen war bis unters Dach mit frisch geerntetem Gras gefüllt – die Ernte - ein köstlicher Anblick, auch heute noch. Ich habe jedesmal, wenn wir im Bulldog waren, in diesem Buch geblättert. Ein anderer Hingucker war die Barkeeperin. Frauen hinter einen Tresen sind seltsame Geschöpfe, sie strahlen meistens etwas herrisches, fast diktatorisches aus. Sie jedenfalls führte ihr definitiv das Regiment und lies uns mit jedem abfälligen Blick wissen, das wir nur Gewürm an ihrem Tresen waren und unsere eine Cola pro Person ebenso wenig interessierte, wie unser jämmerlichen spätpupertären Erscheinungen. Sie trug meist ein tiefes Dekoltee, an dessen Ränder kräftige, dunkle Haare herunterfielen. Mit einer Mischung aus Strenge und Langweile ging sie ihrer Arbeit nach und war dabei wirklich schön. Verstärkt wurde ihre Wirkung durch einen handtellergroßen Wolfskopf, der auf ihre linke Brust tätowiert war. Der Rand des Dekoltees verdeckte das äußere Drittel des Kopfes, ich habe ihn zuerst nicht erkannt und sah mich in der komischen Situation, ihr nicht auf den blanken Busen starren zu wollen, anderseits aber den Sinn des Bildes erkennen zu wollen. Naja, sie wird diese flüchtigen, etwas ängstlichen Blicke gekannt haben. Wahrscheinlich eine Art Einstellungstest, und ich hatte mich direkt als Made disqualifiziert. Aber egal, wir waren ja nicht wegen den Frauen hier, schon garnicht wegen einer Barkeeperin von diesem Kaliber, so realistisch waren wir dann doch. Überhaupt, Frauen spielten eine seltsam untergeordnete Rolle in unseren Kreisen, wir alle waren verheiratet mit Mary Jane. Nein, was uns interessierte befand sich immer in einem Mantel, der in der Nähe des Eingangs an einem Kleiderständer hing. Die Taschen dieses Mantels waren rappelvoll mit Hasch, man konnte den Geruch nicht ignorieren, wenn man die steile Treppe hinabstieg in das schummerige Reich der Wolfskopf-Lady. Das Ritual war denkbar einfach: Man setzte sich irgendwo hin, bestellte ein Cola und nippte an ihr mit diesen 0,01 mL-Schlücken, mit denen Leute trinken, die sich vorgenommen haben, keinesfalls mehr als dieses eine Glas zu bestellen. Irgendwann kam dann einer dieser Typen zu einem an den Tisch. Keine Ahnung was das für Leute waren, südländischer Herkunft, vielleicht Balkan, Albaner oder Türken, für uns spielte das letztlich keine Rolle. Sie wirkten ein wenig halbseiden, aber alles andere hätte an diesem Ort sehr überrascht. Ein solcher Typ nahm dann die Bestellung entgegen, ging zu dem Mantel, holte einige Päckchen aus den Taschen und übergab sie uns. Wir tranken die letzte Pfütze Cola und verließen den Laden, eine leise Verabschiedung im Raum stehen lassend, auf die niemand antwortete. So war es auch an diesem Abend gewesen. Wir waren zurück zum Wagen gelaufen, die Straße hatte sich geleert und ich konnte mit einem Zug ausparken. Kurze Zeit später stand der Wagen in der Einfahrt meiner Eltern, ich lieferte den Schlüssel ab und sagte, wir würden noch zu Axel, Film gucken. Ich hatte es eilig, da ich der einzige war, der noch nicht gekifft hatte. Dann begann einer dieser Abende, wie ich wohl tausende verbracht habe, ein weiterer Abend in sinnfreier, bekiffter Geselligkeit. Der Unterschied zwischen uns und unseren Eltern samt dem Rest der Welt bestand wohl darin, dass wir uns unsere Abende sinnfrei und bekifft um die Ohren schlugen, während der Otto-Normal-Bremen-Norder sinnfrei aber unbekifft seine Zeit totschlug; sinnfrei und alkoholisiert dürfte das dominierende Muster gewesen sein.

Am nächsten Tag kam es zu einem unerwarteten Nachspiel: Am Mittagstisch wurde ich gefragt, was denn mit dem Wagen passiert sei. Ich wusste nicht, worauf meine Eltern hinaus wollten und ging wohl die möglichen Katastrophen durch: Hatte jemand Papers im Wagen verloren? War ich geblitzt worden? Ich wusste es nicht. Mein Vater sagte: „Na dann schau dir mal den linken Kotflügel an.“ Meine Mutter hatte diesen besorgt-strengen Gesichtsausdruck aufgelegt. Ich ging raus auf die Einfahrt und sah von dort aus eine ordentliche Delle im linken Kotflügel. Nicht einfach etwas eingedrücktes Metall, der Lack war in den Kerben und auf den Kanten abgesprungen, das gesamte Teil deformiert und verzogen. Ich ging zurück ins Haus und erklärte meine Eltern, dass ich nicht die geringst Ahnung hätte, wo diese Delle herkam, dass ich mir – und das war die Wahrheit – absolut sicher sei, dass nicht ich diese Delle in den Wagen gehauen hatte. Ich war mir tatsächlich sicher. Der Fall sollte damit für's erste erledigt sein. Die Delle übernahm die Versicherung, meine Eltern stänkerten über steigende Versicherungsbeiträge und glaubten mir in jedem Falle nicht, dass nicht ich für den lädierten Kotflügel verantwortlich gewesen sei. Im Gegensatz zu dem Kiff-Zwischenfall hatte ich hier ein noch ausgeprägteres Gefühl des Unrechts. Es machte mich rasend, dass meine Eltern mir nicht glaubten. Es machte mich besonders sauer, weil ich ein verdammt aufrichtiges Kind gewesen war. Ich hatte eher die Fresse gehalten, als zu lügen und war nun dementsprechend resigniert. Aber was spielte das noch für eine Rolle? Ich war auf dem Sprung, die Stadt zu verlassen, um woanders ein Studium und am besten ein neues Leben zu beginnen. Ich wollte mit dem ganzen Rotz nichts mehr zu tun haben. Sollten meine Eltern denken was sie wollen, solange sie mir ein Studium finanzierten, konnte mir das wurscht sein. Es war eine „bescheidene“ Zeit in Hinblick auf Familie. Dazu passte ganz gut, dass mir der damalige Freund meiner Schwester irgendwann steckte, dass Mutter und Schwester erhebliche Zweifel daran hatten, dass ich es schaffen würde, alleine einen Haushalt zu führen. Es waren genau diese Kleinigkeiten, die mich immer mehr entfremdeten. Ich habe mich schlicht gefragt, was da denn nicht zu schaffen sein soll. Essen kaufen? Wäsche waschen? Ne Telefonrechnung bezahlen? Naja, ich bin weder im Dreck ersoffen noch an Hunger gestorben und einige Jahre später sollte meine Mutter beim Anblick meines „Papierkram“-Ordners mit den ordentlich eingehefteten Kontosauszügen überrascht feststellen: Mensch Kuddel, du hast ja richtig Ordnung in deinen Unterlagen.“ - „Ach ne...“ war meine gewohnt fahrige Antwort. Langsam wird es eine traurige Geschichte. Jedes Jahr zu Weihnachten kehre ich also zurück in meine Vorstadt und hänge solchen Erinnerungen nach. Jedes Jahr hat meine Mutter eine graue Strähne mehr und mein Vater ein Jahr weniger zu arbeiten. Aus dem lieben Gonzo wurde Doktor Gonzo der Juristerei, während sich ein anderer Jahrgangsgenosse vor den Nahverkehrszug nach Bremen-Hauptbahnhof geworfen hat. Wenn der Tot die eigene Generation erreicht, hört man auf, sich Jugendlich zu fühlen. Hin und wieder denke ich an den armen Kerl, den ich viel weniger kannte als ich ihn schätzte. Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass viele so dachten und das ist ein Gedanke, den man ungern zuende denkt. Irgendwo hat uns dieser Tod berührt, weil jeder ein Ahnung hatte, aus welchen so schrecklichen wie irrationalen Gründen dieser mit musikalischem Talent und Charisma gesegnete Mensch nicht mehr leben wollte. Ich habe einen Zusammenhang zwischen unserer Vorstadt und seinem Tod gesehen. Ich halte die Wahl dieses einzigen Zugs, der diese Vorstadt verlässt, für einen mit Bedacht gewählten Schafrichter. Ich glaube, ihn haben die Geister erwischt, vor denen wir anderen geflohen sind, er im übrigen auch, wohl zu spät. Er war mit meiner ersten Freundin zusammen gewesen. Er war der erste, dem ich diese Frau gönnte, der mir angemessen für dieses Mädchen erschien. Ich habe ihn gemocht und auch bewundert, vor dieser Beziehung ebenso wie danach, was nicht ganz selbstverständlich ist. Ich lernte ihn über die gemeinsame Freundin besser kennen, bewunderte sein Saxophon, die Jazzplatten, die guten Menschen, mit denen er sich, Jahre nach dem Ende der Norder Zeit, nun in Oldenburg, umgeben hatte. Ich erfuhr am darauf folgenden Weihnachten von seinem Tod, ich war schockiert.

Alte Läden schließen, Supermärkte öffnen und jedes Jahr sitzt der alte Reigen in der alten Kneipe und spielt das ganz alte „Und was machst du mittlerweile so...“ - Spiel. Es ist eine eherne, nicht immer geliebte Tradition. Die allermeisten kommen trotzdem wieder, ich sowieso.

Es ist nun auch schon wieder einige Jahre her, als ich wieder rund um den 23ten Dezember in Vegesack aus dem Zug stieg. Am Gleis, wie immer mit Pfeife im Mund und die andere Hand in der Manteltasche, mein Vater. Ein kurze Begrüßung, Gang zum Auto, Fahrt nach Hause, Begrüßung von Mutter, die sich traditionell mehr zu freuen scheint als mein Vater. Und diesmal dieser Brief auf der Ablage im Wohnzimmer. Mein Vater macht mich direkt auf ihn aufmerksam, eigentlich zu schnell, ich habe gerade erst den Rucksack abgestellt, noch nichtmal die Jacke ausgezogen. Ich sage dieses „Moomeeent..“, dass ich in dieser Art, mit dieser Betonung, so nur bei meinen Eltern sage. Lege schon wieder diesen genervten Blick auf, erschrecke, dass es keine 30Sekunden im elterlichen Haus gedauert hat, bis ich wieder in den alten, genervten Tonfall verfalle. Gebe mir dann Mühe,

nehme den Brief, erkenne die Schrift nicht, fange an zu lesen. Bei der zweiten Zeile sagt mein Vater sein gutgelauntes: „Wahnsinn, ne?“ Ich antworte nicht, lese weiter. Der Brief stammt von einem Mann und beginnt damit, uns ein besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen. Dann schildert er, immer wieder unterbrochen von Bibelzitaten und anderem religiös-debilen Quatsch, dass er vor mittlerweile mehr als drei Jahren beim Ausparken in der Bremer Innenstadt eine grobe Delle in unseren Kotflügel gefahren hatte. Er hatte sich zwar das Nummernschild notiert, es dabei aber bewenden lassen. Seit diesem Tag hätten ihn dann Gewissenbisse gequält darob seines sündigen Verhaltens und er wolle sich nun, endlich, entschuldigen, die Sache bereinigen und auch die entstanden Kosten im Nachhinein begleichen. Ich werde etwas wie: „Und ihr habt mit natürlich nicht geglaubt.“ gesagt haben. Und dieses eine mal hatte ich recht, diesmal bekam ich eine Entschuldigung. Es war ein späte Genugtuung und das Detail, dass ich offiziell an diesem Abend vor drei Jahren garnicht in der Innenstadt war, fiel dankenswerterweise unter den Tisch. Wir haben dann wie jedes Jahr Weihnachten gefeiert: Recht kurz, recht schmucklos, jetzt wieder Jahr für Jahr ein Stückchen herzlicher, da man sich langsam wieder etwas zu sagen hat. Immer noch bin ich der erste, der im Pinökel, der Kneipe unserer Jugend, einläuft. Ich sehe Alice hinter dem Tresen, erschrecke bei dem Gedanken, dass sie jetzt mehr als 10 Jahre hinter diesem Tresen steht, dass ich sie aus einer Zeit kenne, in der sie noch nicht hinter diesem Tresen stand. Ich erinnere mich, dass sie einige Jahre davon sprach, dies alles, die Kneipe, die Stadt, verlassen und hinwerfen zu wollen. Ich erinnere mich, gesagt zu haben, dass sie das nicht machen solle, weil sie ein Stück meiner Erinnerung sei und ich sie nicht hinter diesem Tresen missen möchte. Ich erinnere mich, dass ich eigentlich gedacht habe: „Warum hast du dieses Nest nicht längst verlassen?“, man sowas aber so nicht sagt. Ich erinnere mich, dass sie irgendwann aufgehört hat, davon zu reden, hinzuschmeißen und die Stadt zu verlassen. Sie hat hier jetzt eine Wohnung mit ihrem Freund, die Kneipe scheint irgendwie zu laufen, man hat sich arrangiert... Andere sind auch zurückgekehrt, leben jetzt wieder hier, im heimeligen, beschaulichen, strukturschwachen Bremen-Vegesack. Die Aussicht erscheint mir immer noch wie eine Drohung, auch wenn eine gewisse Milde eingekehrt ist. Unter bestimmten Umständen kann ein Leben hier wirklich schön sein. Ich weiß allerdings, dass dies nicht meine Umstände sind, nicht jetzt, nicht in absehbarer Zukunft. Ich weiß auch, dass ich eine bestimmte Person nicht sehen werde, von einigen mehr weiß ich es auch. Andere erwarte ich, nur ein paar weniger werden kommen und wir werden uns drei Nächte lang besaufen und in alten Erinnerungen schwelgen. Dem ein oder anderen neuen Traum nachhängen, Anteil nehmen am Leben dieser Leute, die einen anders und besser kennen, als das unsere neuen Freunde in unseren neuen Städten jemals können werden. Wir alle wissen: die kommende Woche muss für ein ganzes Jahr reichen. Dann wird es wieder Weihnachten, dann sehen wir uns wieder...

26.12.08 16:13


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung